A Nod's As Good As A Wink...To A Blind Horse

Schluchtensteig mit Felsenhütte am Ostermontag 2026

Tollkühn beschließe ich, zwecks körperlicher und geistiger Ertüchtigung, mich am Ostermontag 2026 bei bestem Wetter in die Wehraschlucht zu wagen. Die Vorzeichen sind günstig: Der nicht ganz anspruchslose Vierbeiner wird anderweitig betreut und ich habe einen Fahrer. Bei diesem handelt es sich um meinen Sohn, der über Ostern bei den Eltern zu entspannen pflegt. Obwohl er noch nach High Noon mit technischem Gerät direkt vor dem Gesicht im Bett weilt, sagt er spontan zu, mich bei meinem ungeheuerlichen Vorhaben zu unterstützen.

Um mich von der unzulässigen Inanspruchnahme von »Kinderarbeit« präventiv freizusprechen: Bei dem Einsatz handelt es sich um eine kurze Fahrt von rund 10 Minuten zum Ausgangspunkt meiner Wanderung. 

Dort ist an diesem Tag einiges los, »Touris« nehmen die Schlucht in Anspruch. Ein Wohnmobil zuckelt mit drei Motorrädern im Schlepptau den Berg hinan. Zwischenzeitlich gilt es, mit der ganzen Kolonne auf der engen Fahrbahn einige Lebensmüde zu umkurven, die sich im Pulk freiwillig mit dem Drahtesel die steinschlaggefährdete Strecke hinaufquälen.

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Immerhin ist der Parkplatz halbwegs offen, nachdem er über Jahre hinweg mit Bauzäunen abgesperrt war. Es ist der Ort, an den mich vor vielen Jahren meine allererste (!) Fahrstunde geführt hatte.
Unverdrossen hängt an der Informationstafel eine Erinnerung an Scarlett, die vor Längerem auf dieser letzten Etappe des Schluchtensteigs verschollen ist. Persönlich kann ich mir gut vorstellen, dass sie an dieser Stelle zum allerletzten Mal eine Mitfahrgelegenheit in Anspruch genommen hat. Zumindest dann, wenn sie auf der vorgesehenen Strecke unterwegs war. Das Gebiet ist groß und stellenweise schlecht zugänglich, aber ein Trupp emsiger Bergfexe im Gespann mit Spürhunden hätte einen leblosen Körper in der von Felsen und Wasser begrenzten Schlucht aufgespürt.

Auf dem Wanderparkplatz steht verlassen ein einziger niederländischer Kleinwagen. Beim Aufstieg kommen mir einige jüngere, sehr freundliche ausländische Wandergenossen (Niederländer?) entgegen. Vor einigen Jahren habe ich dieselbe Route schon einmal mit meiner Frau und damals noch zwei Hunden begangen. Die Anreise haben wir mit dem Bus gemacht, für Mensch und Tier ein Abenteuer.


Direkt am Anfang geht es steil hinauf, gesäumt von grün bemoosten Felsen. Das plätschernde Wasser verbreitet eine angenehme Atmosphäre. Wer nicht gerne steil berganläuft (genauer gesagt Schwierigkeiten damit hat), dem sei gesagt, dass praktisch der ganze Aufstieg am Anfang des Weges stattfindet. Ist dieser bewältigt, geht es nur noch hinunter – falls man auf der Standardroute bleibt.

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»Oben« angekommen, führt der Weg auf der Horizontalen weiter. Auf der anderen Seite der Schlucht liegt das malerische Dorf Gersbach, das primär im Winter mit Kindern zum Schlittenfahren eine echte Empfehlung ist.

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Gersbach

Wie es mir eigen ist, wandle ich elegant durch den Bannwald. Das eigens für diesen Beitrag aufgestellte Schild gibt genauere Auskunft darüber, worum es sich dabei handelt.

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Bannwald

Zwei felsige Durchgänge folgen und nach einiger Zeit wird die Felsenhütte erreicht, die mit einem für hiesige Verhältnisse spektakulären Ausblick belohnt.

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Felsentunnel

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Die Felsenhütte

Die Fahrzeuge der Touristenschar wirken aus der Höhe wie Spielzeuge. Leider sind die vielen Motorräder in dieser Gegend eine richtige Pest, da der Höllenlärm dieser Maschinen sich in den Schluchten nach oben ausbreitet und Mensch und Tier gehörig auf den Zeiger geht. Mir tun diejenigen leid, die das an ihrem jeweiligen Wohnort ertragen müssen (obwohl: Ich würde meinen Nachbarn sofort gegen eine Kohorte Rennmaschinen eintauschen).

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Spektakuläre Ausblicke

Es begegnen mir so gut wie keine anderen Wanderer, und wenn, machen sie einen erstaunlich griesgrämigen Eindruck. Einer bestand auf einem »Servus«, obwohl das nicht zur Region gehört.


Nach der Felsenhütte geht es weiter bergab Richtung Wehrastausee, der sich in keiner Weise für touristische Zwecke eignet und nicht einmal schön anzusehen ist.
Kühn verlasse ich den Pfad und schaue mich nach einer Route um, die den Abstieg zur Straße und das wenig erbauliche Wandern am Ufer des künstlichen Gewässers vermeiden könnte.
Zwar entdecke ich einen möglichen Weg, sogar mit einem Wasserfall, aber wegen der bereits fortgeschrittenen Zeit erscheint er mir an diesem Tag zu riskant und ich kehre schlussendlich reumütig zu dem zurück, was ich für den ursprünglichen Pfad halte.

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Einsamer Wasserfall

Nach einigen Kapriolen von Google Maps und Apple Karten (Fazit: Beide sind in der »Wildnis« unbrauchbar) beschließe ich, mich auf meine gute alte Intuition zu verlassen, was sich als weise Entscheidung herausstellt. Mit den digitalen »Helfern« (abgesehen vom Batterieproblem) würde ich noch jetzt hilflos in den Wäldern herumirren.

Den Weg mit dem Wasserfall werde ich an einem anderen Tag in Angriff nehmen, dann werde ich früher starten. Auf diese Weise habe ich den Wilhelm-Kleissler-Stein entdeckt, von dem man einen wunderbaren Ausblick genießen kann.

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Toller Ausblick vom Kleissler-Stein

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Stausee

So muss ich wieder bis fast an die Straße hinunter, doch ich gebe mich nicht geschlagen: Heroisch kraxle ich auf der anderen Seite der Senke den Wald hinauf. Das mickrige, mit Laub übersäte Weglein führt lange außerordentlich steil nach oben. Das ist beinahe der alleinige Grund, dass ich am Ende des Tages 84 Stockwerke bewältigt haben werde – was kein spektakulär hoher Wert ist, das schaffe ich öfter auf der normalen Hunderunde.

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Steil bergauf

Trotzdem war der brutale Abschnitt wertvoll für mich, denn ich kenne einen weiteren Pfad, den ich wieder nutzen kann.
Als ich meinen Astralkörper vom Steilpfad auf den Waldweg wuchte, lege ich noch einige Meter im Wald in unbekannten Gefilden zurück. Dann geht die Strecke nahtlos in das bestens bekannte Revier unterhalb des Bärenfelses über, in dem ich wegen der durch die steilen Anstiege verursachten Einsamkeit des Öfteren mit dem Wolf durchstreife.

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Wolf’s Revier

Weitere 25 Minuten später komme ich zu Hause an, gute vier Stunden war ich unterwegs.

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